Edes Bloc
Ein Fazit

Jetzt sind wir wieder in Deutschland angekommen und es ist krass! 28 Tage waren wir unterwegs, davon haben wir nur 2 Nächte auf einer anständigen Matratze und sonst auf Isomatten oder im Auto geschlafen, und wir sind entspannt und total glücklich. Und wir können uns nicht erklären, wo die Zeit eigentlich hin ist. Gestern sind wir noch in Straßburg gewesen, Frank hat zum ersten Mal einen orignal Elsäßer Flammkuchen gegessen, wir waren gerade noch im quietschevollen Spiegelsaal vom Versailler Schloss, sind die Seine in Paris entlanggewandert und haben die Fachwerkhäuser von Rouen bewundert. Wir sind gerade erst im Meer vor Étretat geschwommen, haben uns durch die Touristenmassen des Mont St. Michels gequetscht und mit Marie-France, Stefane und Leslie zu Cotton-Eye-Joe vor dem Fernseher getanzt. Der wunderschöne Sonnenuntergang in Roscoff und die einmalige Landschaft der Pointe zu Raz waren doch auch erst gestern oder? Wir haben SO viel gesehen, durften ein wunderschönes Land mit vielen freundlichen Menschen näher kennenlernen und Seen und Flüsse der Schweiz unsicher machen. Es ist unglaublich wie schnell die Zeit vergangen ist. Schön wieder zu Hause zu sein, mit Bett, Dusche, guten sanitären Anlagen und netten Mitbewohnern. Wir freuen uns schon sehr darauf, unsere Freunde und unsere Familie wiederzusehen und euch bei Interesse eine Best-of-Auswahl der Reisefotos zu zeigen. 

Wir haben uns bemüht, jeden Tag zu schreiben und euch an unseren Erlebnissen teilhaben zu lassen. Vielen Dank für euer fleißiges Lesen und eure positive Rückmeldung!

Was uns beide betrifft gibt’s für diesen Monat gibt’s wohl nur noch ein Fazit zu ziehen: Es war wunderschön! :)

Ok. Der neutrale (Frank) bis negative (Solveig) Eindruck, den Bern gestern auf uns gemacht hat, wurde heute sofort ausgeglichen. Wir hatten ja auf einem Parkplatz übernachtet und morgens parkte ein Mann sein älteres Auto neben uns machte ein paar Erledigungen und kam zurück, als wir gerade etwas aktiver wurden. Frank hatte sein Tuch vom Fenster genommen, so dass er reinsehen konnte (und auch tat) während Solveigs Rock ihr Fenster noch abdeckte, überall in unserem Auto waren Isomatten, Schlafsäcke, Taschen, Zahnbürsten und Sonstiges verstreut und nach einem abschätzenden Blick fuhr der Mann weg. Wir machten beide Türen auf, um Luft reinzulasssen, Solveig zog sich ihren Rock wieder an und nähte gerade die schnalle eines ihrer Schuhe wieder fest, als der Mann nochmals neben uns parkte, einen kaffee aus dem Fenster hielt, einen zweiten Kaffee hinterherzeigte und Frank schreckte auf als Solveig plötzlich laut loslachte. “I wussts net, ob ihr Milch und Zuckre mögt!” sagte der Mann, reichte uns die beiden Kaffee, eine Tüte mit Kaffeemilch, Zuckertütchen und Umrührstäbchen, und eine Tüte mit 4 Croissants. Wir bedankten uns überschwenglich, und bevor wir ihm Geld oder Kekse oder Schokoriegel als Entschädigung anbieten konnten, war dieser liebe Mensch auch schon wieder weg. So ist also unser letztes Urlaubsfrühstück verlaufen - perfekt! :)

Wir parkten in der Nähe des Rheins und wollten nach Basel rüberlaufen, aber wir brauchten wesentlich länger als erwartet, denn der Rhein erwies sich als klar, sauber und fast türkis. Ein Schild wies darauf hin, dass die Wassertemperatur 22°C messen würde und aus einem kurzen Füsschen ins Wasser halten wurde spontan mehr, als wir ganz viele Menschen im Wasser erblickten. Der ganze Rheinabschnitt war von an großen Schwimmblasen hängenden Menschen übersäht, und als auch noch einfach so Leute neben uns in Unterhose vom nächsten Bootssteg sprangen, war schon alles klar. Also: Ab ins Wasser, und wir sagen euch: 22°C Wassertemperatur bei 32°C Außentemperatur sind großartig. Wir sprangen vom Steg, schwammen ein wenig rum, auch hier von kleinen Fischen begleitet, und genossen es nacher, in der Sonne zu trocknen. Basel ist auch teuer, aber nicht so teuer wie Bern. Die Menschen hier wirken auch viel freundlicher, lächeln zurück und winken einem zu, wenn sie im Rhein vorbeischwimmen. “Kommts doch och rein!” wurde uns herzlich zugerufen. “Des Wasser isch herrlich!”. Wir haben uns beide sehr wohl gefühlt. Auch Basel an sich ist eine sehr schöne Stadt und für einen Samstag erstaunlich entspannt. nicht von Massen bevölkert. Den Tag hier haben wir sehr genossen und wollen gern wieder in diese Stadt kommen.

Heute fing der Tag sehr schön an. Ausgeruht nach einer ruhigen Nacht, putzten wir uns im Stadtpark die Zähne, spielten Boule (Frank gewann mit niederschmetterndem 15:10) und wir zähmten einen ganzen Spatzenschwarm mit recht trockenem, alten Baguette. Da wir uns verschwitzt und ungewaschen fühlten (und auch waren, kein Zweifel möglich), suchten wir das nächste Schwimmbad auf, was direkt am See Neuchatel war. Als wir gerade auf den von Schranken geschützten, zahlpflichtigem Schwimmbadparkplatz eingetroffen und auf dem Weg zur Schwimmbadkasse waren, fiel uns heisskalt ein: Scheiße! Franken. Wir haben vergessen, Geld zu tauschen! Schon mit Schreckensvisionen im Kopf gingen wir an die Kasse und Solveig sagte der Frau am Schalter “Hallo. Wir haben ein Problem…” - “Erzählt mir alles!” - “Wir sind Deutsche und haben vergessen, Euros einzutauschen, und jetzt stehen wir schon auf dem Parkplatz und haben keine Franken!” - “Keine Sorge, da kann ich euch helfen!”. Wir konnten Euroscheine bei ihr zu Franken tauschen, und so gings frohen Mutes und mit einer Brieftasche voller Franken ab ins Schwimmbad, welches 3 Aussenbecken, 4 Innenbecken und den See mit Schwimmzone anbot. Wir machten es uns draußen bequem, sonnten uns und gingen erstmal im See schwimmen. Bis zu einer schwimmenden Badeinsel und zurück, von kleinen silbernen Fischen begleitet. Nach einigen Stunden schauten wir noch ins Hallenbad und dann machten wir uns fertig zum Weiterziehen. Frischgewaschen ab nach Bern. Und da bekam Solveig eine ziemliche kulturelle Klatsche. Offenbar stehen hier demnächst Wahlen an und ihr kleines Vorurteil vom netten, aufgeschlossenen Wandervolk wurde von riesigen Wahlplakaten überschattet, die sich alle gegen Immigration einsetzten. Dazu kamen stress suchende Betrunkene, die uns “aufs Maul?!” geben wollten, Schilder, dass jeder der Müll irgendwo hinterlässt, 40 Franken zahlen muss, und lauter Menschen, die nicht zurücklächeln, wenn man sie anlächelt. Als dann noch ein Schwarzer auf der Terasse eines Restaurants wegkomplimentiert wurde, weil er nur was trinken, aber nichts essen wollte (hier kostet eine Pizza Magherita auch nur günstige 16 Franken (ca. 14€)), war Solveigs’ neuer Blick auf die Schweiz abgerundet und sie fühlte sich vor allen Dingen tierisch unwillkommen und dementsprechend unwohl. Frank sah das alles gar nicht so drastisch, aber da er es ohnehin nicht so mit großen, vollen Städten hat, war es auch für beide in Ordnung, weiter Richtung Basel zu fahren.

Wir diskutierten auf der Fahrt sehr viel über unsere Wahrnehmung von Bern und so vergingen die paar Stunden bis Basel recht schnell. Kurz vor Basel parkten wir auf einem Parkplatz am Park, fanden noch ein super Restaurant, welches preislich halbwegs vertretbar war und genossen den letzten Abend im Urlaub. Heute heißt es ein letztes Mal im Auto schlafen, und morgen wieder im Alltag einleben. 

Orleans hatte bei uns keinen guten Start. Wir haben im Auto auf einer Autobahntankstelle übernachtet und um 5h fingen die ersten Arbeiter an, Laubbläser einzusetzen. Solveig stand im Prinzip auf ihrem Sitz, vor Schreck. Als der dann um 6h aufhörte mit seinem Krach, schliefen wir wieder ein, nur um 2std später von 2 Rasenmähermännern wieder geweckt zu werden. 

Also waren wir müde, ziemlich verschlafen und beide ein wenig ungehalten, als wir in Orleans letztendlich ankamen und es wurde nicht dadurch besser, dass es 32°C warm, pralle Sonne und nicht als Baustellen gab. Wir spazierten ein wenig durch die Stadt, schauten uns eine Kathedrale an (wo wir die kühle Luft geossen) und waren insgesamt zu müde, um wirklich viel aufzunehmen. Also entschlossen wir uns zur Weiterfahrt nach Dijon.  

Kurz bevor wir Dijon erreichten, sorgte ein Straßenschild schonmal für Lacher bei uns: Auf ihm (zu unserer Rechten) war ein wunderhübsches kleines, altes Städtchen zu sehen. Links: Die Realität, ein riesiger Pulk von Plattenbauten, der uns sehr an Le Havre erinnerte. Hässlich wie die Nacht.

Wir fuhren in Dijon rein und stellten fest, dass günstigerweise so ziemlich jede größere Straße eine “Route barrée” war - gesperrt. Also schlängelten wir uns, von Straßenbaulärm begleitet, durch die unmöglichsten Plattenhäusergassen und fanden irgendwann einen Parkplatz. Die Altstadt war dann auch wirklich hübsch und sehr sauber, aber die Atmosphäre wurde verdorben als wir uns in einem Delikatessenladen von subjektiv geschätzt 300 Asiaten vermutlich japanischen Ursprungs umzingelt fanden. Keine freie Bewegung möglich. Das hat uns ziemlich angestrengt. Dijon selbst nahmen wir vor allen Dingen als laut und stressig, aber auch als hübsch wahr. Aber die Architektur allein reichte uns nicht, um uns häuslich einzurichten. Mit einem kleinen Zwischenhalt in Marteau, und anerkennendem Staunen ob der Berge und Felsen bei und in Besancon verließen wir heute schweren Herzens Frankreich und erreichten Neuchatel, Schweiz. Schon bei der Grenzüberquerung stellten wir fest, dass auch die Schweiz sehr viel zu bieten hat und freuen uns auf die beiden Tage hier. Jetzt wird wieder mal das Auto umgebaut, diesmal stehen wir am Stadtpark, mit Spielplatz, Blumenbeeten und dem, was wir als unsere private Boulebahn auserkoren haben. Morgen wird gespielt!

"Let’s face it: Post-war Lorient has the charme of a car park!" - So stand’s im Reiseführer und so wirkte es auch auf uns heute. Weisste, wenn du überall wunderschöne mittelalterliche Städte in der Gegend hast, die ein tolles Ambiente bieten, wo entscheidest du dich dazu, eins der größten Mittelalterfestivals der Welt stattfinden zu lassen? Genau: In der Stadt mit dem wenigsten Ambiente von allen. Warum auch immer. 

Aber fangen wir von vorne an… Im Auto zu schlafen war diesmal für uns beide tierisch bequem und so fassten wir von Anfang an den Plan, heute nicht mal nach einem Campingplatz Ausschau zu halten, sondern gleich wieder bis spät abends zu fahren und die Nacht wieder so zu verbringen. 

Nachdem wir auch bei Tageslicht nicht viel Schönes in Lorient finden konnten, so aus dem Auto herausgeschaut, erinnerten wir uns an unseren ursprünglichen Plan “Strecke machen” und fuhren weiter nach Vannes, was sich als wunderschöner Ort herausstellte. Gleich zu Anfang entdeckte Solveig im Reiseführer den Tipp “Schmetterlingsfarm” und da war schon alles klar. Frank setzte sie vor der Farm ab, die eine riesige tropische Halle war, und setzte sich 1 1/2 Std in den Schatten der Parkplatzbäume, übte Knoten und las sein Buch weiter, während Solveig gefühlt 700 Fotos machte. In der Farm gab es 

hunderte freifliegende Schmetterlinge, in grün, orange, blau, gelb, und mehr. 4x setzten sie sich auch auf Solveig drauf. Ausserdem gab es Wachteln und Wachtelküken, bei denen sie sich stark zurückhalten musste, sie nicht heimlich in den Rucksack zu packen. ;)

Vannes selbst entpuppte sich als Stadt mit Wieder viel Fachwerk, Gotik und 18 Jhdrt (vermischt) und vielen tollen Läden. Wir gingen viel spazieren, ließen uns von der Stadt verzaubern und landeten mit der Wahl unserer Crêperie einen Volltreffer. Sehr leckere Galettes und Crêpes und dazu jeder eine Kanne Tee vom Feinsten, serviert von einem lieben Kellner, der sich sehr über Frank’s Bemühungen freute, Französisch zu reden.

Von Vannes verabschiedeten wir uns genauso schweren Herzens wie von Quimper und noch schwerer viel es uns, auf einen Abstecher nach Pornic zu verzichten, einer schönen Hafenstadt, mit der Solveig noch von der letzten Bretagnereise viele schöne Erinnerung verband. Weil wir jetzt ziemlich unter Rückreisedruck stehen, kommt einiges Tolles in unseren Augen recht kurz, und so stellen wir jetzt schon fest, dass dies nicht unser letztes Mal in der Bretagne war. 

Nantes war unser nächstes Ziel. Wir wanderten in der Abenddämmerung um das Schloss, Solveig suchte nach historischen Spuren zu dem Mittelalterlied “Dans les prisons de Nantes” (In den Gefängnissen von Nantes) und auch die Kathedrale sahen wir uns von Außen an. Eine verschmuste Straßenkatze machte es Solveig nicht leicht, sie zurückzulassen. Aber schließlich fanden wir den Weg zurück zum Auto, wo nach dem Katze streicheln erstmal ordentlich die Hände gewaschen und desinfiziert wurden und diszipliniert wie wir heute sind, fuhren wir gleich weiter nach Orleans. Strecke haben wir heute tatsächlich ganz gut gemacht, nämlich rund 500km!